Schwangerschaft, feines Haar & Haarausfall

A: Du hast nach deinen früheren Schwangerschaften schon Haarausfall erlebt und weißt daher, dass das durchaus vorkommen kann. Jede Schwangerschaft verläuft jedoch anders. Der weibliche Hormonhaushalt kann sich verändern und reagiert keineswegs jedes Mal gleich; selbst unter ganz ähnlichen Umständen.
Grundsätzlich unterscheidet man drei Hauptphasen im Haarzyklus. Die einzelnen Haare befinden sich zu jedem beliebigen Zeitpunkt in unterschiedlichen Phasen:
• Anagenphase (Wachstumsphase): Die meisten Kopfhaare (etwa 85–90 %) befinden sich zu jedem Zeitpunkt im aktiven Wachstum.
• Katagenphase (Übergangsphase): Eine kurze Phase, in der das Haarwachstum stoppt und sich der Follikel zurückzieht.
• Telogenphase (Ruhephase): Die Haare ruhen über einige Monate, bevor sie schließlich ausfallen, damit neues Haar im Follikel nachwachsen kann.
Während der Schwangerschaft sorgt ein dauerhaft hoher Östrogenspiegel dafür, dass dein Haar viel länger als normal in der Wachstumsphase verbleibt. Deshalb haben viele Schwangere außergewöhnlich dichtes, fülliges und glänzendes Haar.
Nach der Entbindung fällt der Östrogenspiegel jedoch wieder rasch ab. Diese hormonelle Umstellung führt dazu, dass eine überdurchschnittlich große Menge an Haaren gleichzeitig von der Wachstums- in die Ruhephase übergeht. Da diese Veränderung zeitversetzt abläuft, macht sich der resultierende Haarausfall erst einige Monate später bemerkbar. Das geschieht häufig etwa drei bis vier Monate postpartal, wobei der genaue Zeitpunkt individuell variieren kann.
In deinem Fall passt es exakt zum typischen Ablauf eines postpartalen Effluviums, dass die Ausdünnung der Haarstruktur etwa vier bis fünf Monate nach der Geburt auffällig wurde. Dass dieser Haarausfall diesmal stärker ausfällt als nach deinen vorherigen Schwangerschaften, bedeutet keineswegs zwangsläufig, dass etwas nicht stimmt. Das Ausmaß und die Dauer des Haarausfalls können von Schwangerschaft zu Schwangerschaft völlig unterschiedlich sein.
Das Stillen selbst gilt in der Fachmedizin nicht als direkte Ursache für das postpartale Effluvium. Allerdings erhöht die Stillzeit den allgemeinen Nährstoff- und Energiebedarf deines Körpers beträchtlich. Achte daher auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend hochwertigem Eiweiß, Eisen, Spurenelementen und essenziellen Nährstoffen.
Ein Schwangerschafts- beziehungsweise Still-Nahrungsergänzungsmittel gilt in der Regel keinesfalls als Auslöser für Haarausfall. Ob du es während der weiteren Stillzeit gezielt weiter einnehmen solltest, besprichst du am besten direkt mit deinem behandelnden Arzt.
Bei den meisten Frauen reguliert sich der Haarausfall nach der Geburt allmählich wieder von selbst, und die ursprüngliche Haardichte nimmt mit der Zeit wieder zu. Es kann allerdings mehrere Monate dauern, bis nachwachsendes Haar an den Wurzeln sichtbar wird, und etwa 6 bis 12 Monate oder länger dauern, bis das Haar seine gewohnte Fülle, Standkraft und Griffigkeit zurückerhält.
Da die Geburt nun schon 10 Monate zurückliegt und du deine Haarstruktur als sehr fein, strähnig und kraftlos beschreibst, ist es absolut sinnvoll, das bei deinem Hausarzt oder Dermatologen anzusprechen. Er oder sie kann durch eine Blutuntersuchung feststellen, ob es sich lediglich um ein verlängertes postpartales Effluvium handelt oder ob ein eventueller Nährstoffmangel eine Rolle spielt.
Diese Antwort dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch einen Arzt.
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Siehe auch: Noch mehr Fragen zu Dünnendes und Feines Haar