Haare färben beschleunigt das Ergrauen

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Bild: Andrey Eremin/Shutterstock
F: Stimmt es, dass deine Haare schneller grau werden, wenn du sie färbst? Kann Colorieren diesen Prozess tatsächlich beschleunigen und für mehr graue Haare sorgen?
 
A: Nein. Es gibt keinerlei wissenschaftliche Belege dafür, dass deine Haare durch das Färben schneller ergrauen oder dadurch zusätzliche graue Haare nachwachsen. Wann und wie stark dein Haar ergraut, wird in erster Linie durch deine Genetik und dein biologisches Alter bestimmt. Zelleigene Prozesse wie oxidativer Stress, Zellschäden und Veränderungen der pigmentbildenden Zellen direkt im Haarfollikel spielen dabei ebenfalls die zentrale Rolle.
 
Eine Haarfarbe, Intensivtönung oder Tönung verändert lediglich das optische Erscheinungsbild sowie die chemische Struktur des bereits herausgewachsenen Haarschafts. Sie greift jedoch nicht in die genetische Programmierung der Haarwurzel ein, die exakt festlegt, wann ein Haarfollikel die Fähigkeit verliert, Pigmente zu bilden. Obwohl Colorationen mit der Kopfhaut in Berührung kommen und in manchen Fällen Reizungen oder allergische Reaktionen auslösen können, ist nicht nachgewiesen, dass das Färben den biologischen Ergrauungsprozess beschleunigt.
 
Dass in der Praxis oft der Eindruck entsteht, Färben beschleunige das Ergrauen, liegt meist an der subjektiven Wahrnehmung und am Timing:
 
• Verdeckter Fortschritt: In der Regel fängst du genau dann an zu färben, sobald du die ersten grauen Strähnen entdeckst. Über Monate oder Jahre erhältst du den gewünschten Farbton durch regelmäßige Ansatzbehandlungen aufrecht. In dieser Zeit läuft der natürliche Alterungsprozess der Haarwurzeln im Hintergrund unvermindert weiter. Lässt du die Haarfarbe irgendwann herauswachsen, zeigt der nachwachsende Ansatz oft deutlich mehr graues Haar als zu Beginn deiner Colorations-Historie.
 
• Starker Farbkontrast: Der scharfe Kontrast zwischen dem nachwachsenden grauen oder weißen Ansatz und den künstlich pigmentierten Längen und Spitzen lässt die Veränderung extrem plötzlich wirken. Das erweckt den optischen Eindruck, die Haarfarbe hätte einen Schub grauer Haare ausgelöst; während der biologische Prozess schlichtweg ganz normal weitergelaufen ist.
 

Die Wissenschaft hinter dem Ergrauen

Graues Haar entsteht hauptsächlich durch Veränderungen im Pigmentierungssystem des Haarfollikels. Die Melanozyten sind für die Produktion von Melanin zuständig, das dem Haar seinen individuellen Naturton verleiht. Mit zunehmendem Alter können diese Melanozyten sowie die Melanozyten-Stammzellen an Aktivität verlieren, versiegen oder ihre Funktion komplett einstellen. Genetische Faktoren bestimmen dabei maßgeblich, wann und in welchem Ausmaß das passiert.
 
Bei der natürlichen Haarpigmentierung spielen zwei Hauptarten von Melanin die entscheidende Rolle: Eumelanin für braune und schwarze Nuancen sowie Phäomelanin für blonde und rote Farbtöne. Veränderungen in der Menge und im Mischungsverhältnis des produzierten Melanins bestimmen die individuelle Haarfarbe beim Nachwachsen.
 
Ergrauendes Haar, genetisch bedingt
 
Auch oxidativer Stress steht im Verdacht, das Ergrauen zu fördern. Studien zeigen erhöhte oxidative Schäden und Veränderungen der antioxidativen Abwehrkräfte in alternden Haarfollikeln. Körpereigenes Wasserstoffperoxid und andere reaktive Sauerstoffspezies können die Funktion der Melanozyten stören. Dennoch bleibt das Ergrauen ein vielschichtiger biologischer Vorgang, bei dem oxidativer Stress nur ein einzelnes Puzzleteil darstellt.
 
Wenn ein Follikel kaum noch oder gar kein Melanin mehr bildet, wächst das Haar unpigmentiert nach und wirkt weiß. Enthält das Haar lediglich reduzierte Pigmentmengen, erscheint es grau oder silbrig; insbesondere im Zusammenspiel mit noch naturpigmentierten Haaren.
 

Kann Haarfarbe die Pigmentierung beeinflussen?

Klassische Tönungen, Intensivtönungen oder permanente Kolorationen beschleunigen das biologische Ergrauen der Haarfollikel nachweislich nicht. Sie können jedoch die Schuppenschicht des Haarschafts beanspruchen und unter Umständen die Kopfhaut reizen.
 
Einige permanente Haarfarben enthalten beispielsweise p-Phenylendiamin, was bei empfindlichen Personen eine allergische Kontaktdermatitis auslösen kann. Eine starke allergische Reaktion kann unter Umständen zu vorübergehendem Haarausfall führen. Diese äußeren Effekte auf Haarstruktur und Kopfhaut darf man jedoch keinesfalls mit dem biologischen Prozess verwechseln, der dazu führt, dass die Haarwurzel die Pigmentproduktion einstellt.
 
Kurz gesagt: Färben kann die Haarstruktur belasten und bei manchen Menschen Allergien auslösen. Es gibt aber keinen Beweis dafür, dass professionelle Salon-Kolorationen oder freiverkäufliche Haarfarben dazu führen, dass Follikel vermehrt graue Haare produzieren oder sich die Fehlfunktion der Pigmentzellen beschleunigt.
 
©Hairfinder.com
 
Siehe auch: Noch mehr Fragen zu graues Haar