Die Pille und das Haarwachstum

Anti-Baby-Pille
Bild: Phuangphech/Shutterstock
F: Stimmt es eigentlich, dass die Anti-Baby-Pille das Haar schneller wachsen lässt? Meine Freundin behauptet, dass die Pille das Haarwachstum beschleunigt und die Haarqualität verbessert.
 
A: Viele Frauen berichten seit Jahren davon, dass die Pille die Struktur und Fülle ihrer Haare scheinbar verbessert. Das medizinische Verständnis des Hormonhaushalts erklärt auch genau, warum das so sein kann. Dennoch ist es ein Mythos, dass die Anti-Baby-Pille das Haarwachstum tatsächlich beschleunigt.
 

Wie die Anti-Baby-Pille den Haarzyklus beeinflusst

Die Pille wirkt, indem sie gezielt den Hormonspiegel im Körper verändert. Diese hormonellen Schwankungen nehmen direkten Einfluss auf den natürlichen Haarzyklus. Sie verlängern insbesondere die Wachstumsphase (Anagenphase) und verzögern die Ausfallphase (Telogenphase).
 
Je nach den im Präparat enthaltenen Hormonen und deiner individuellen Körperchemie kann das dafür sorgen, dass das Kopfhaar seine optimale Haardichte behält, sich spürbar kräftiger anfühlt, mehr Glanz erhält oder weniger ausfällt. Es führt jedoch keinesfalls dazu, dass die einzelnen Haare schneller wachsen als mit ihrer genetisch vorgegebenen Geschwindigkeit (etwa 1 bis 1,5 cm pro Monat).
 
Auch das Gegenteil kann eintreten. Präparate mit Gestagenen, die eine höhere androgene (also männlichen Hormonen ähnliche) Wirkung aufweisen, können bei Frauen, die empfindlich auf diese Hormone reagieren, diffusen Haarausfall oder eine sichtbare Haarlichtung auslösen oder verstärken.
 
Eine optische Verbesserung der Haarstruktur ist meist das Ergebnis eines antiandrogenen Hormongleichgewichts. Frauen, deren Haarausfall mit Erkrankungen wie dem polyzystischen Ovarsyndrom oder einer genetisch bedingten androgenetischen Alopezie zusammenhängt, können unter der Einnahme bestimmter kombinierter Anti-Baby-Pillen, die zur Senkung des aktiven Androgenspiegels verschrieben werden, gesünderes und voller wirkendes Haar bekommen. Bei Frauen ohne hormonbedingte Haarprobleme zeigt die Pille hingegen meist kaum bis gar keine spürbare Wirkung auf die Haardichte.
 
Ein wichtiger Punkt, den du unbedingt beachten solltest, ist die Zeit nach dem Absetzen der Pille. Wenn du das Präparat absetzt, kann der plötzliche Abfall von Östrogen und Progesteron einen vorübergehenden, diffusen Haarausfall auslösen, den man in der Medizin als telogenes Effluvium bezeichnet. Dieser setzt typischerweise 2 bis 4 Monate nach dem Absetzen ein.
 

Warum die Einnahme der Pille aus rein kosmetischen Gründen nicht empfohlen wird

Die Anti-Baby-Pille ausschließlich für optisch schöneres Haar einzunehmen, ist riskant, da die Ergebnisse sehr individuell und unvorhersehbar sind. Ein Präparat, das das Haar einer Frau kräftigt, kann bei einer anderen zu Haarverdünnung oder unerwünschten Nebenwirkungen führen. Die Wahl des richtigen Hormonpräparats ist eine medizinische Entscheidung, die auf deiner allgemeinen Gesundheit, deiner Krankengeschichte und deinen Verhütungsbedürfnissen basiert; und keinesfalls auf rein kosmetischen Wünschen.
 
Wie alle Medikamente birgt auch die Pille gesundheitliche Risiken. In seltenen Fällen - besonders bei Kombinationspräparaten - erhöht sie das Risiko für schwere Gefäßkomplikationen.
 
Wenn du dir Sorgen um dein Haarwachstum oder übermäßigen Haarausfall machst, ist es immer am besten, die zugrundeliegende Ursache fachärztlich abzuklären, anstatt dich auf die Einnahme der Pille zu verlassen. Ein Dermatologe oder eine Dermatologin kann dir gezielte, evidenzbasierte Behandlungsmethoden empfehlen.
 
Diese Antwort dient nur zu Informationszwecken. Für medizinischen Rat oder eine Diagnose wende dich bitte an einen Arzt.
 
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Siehe auch:
 
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