Narkose und Haarausfall

Ein Anästhesist, der bereit ist, eine Narkose durchzuführen
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F: Kann eine Narkose zu Haarausfall führen? Wenn ja, warum lösen Narkosemittel diesen aus?
 
A: Haarausfall wird seit Jahrzehnten mit den unterschiedlichsten Ursachen in Verbindung gebracht. Manche davon treffen zu, andere gehören ins Reich der Mythen. Was Operationen und Narkosen betrifft, besteht tatsächlich ein Zusammenhang. Die Vorstellung, dass Vollnarkose-Medikamente den Haarausfall direkt verursachen, ist jedoch ein weitverbreiteter Irrglaube.
 
Lass mich das kurz erklären. Wenn du dein Friseurteam nach möglichen Auslösern für deinen Haarausfall fragst, wird man dich wahrscheinlich als Erstes fragen, ob du vor Kurzem operiert wurdest. Zwar gibt es unzählige Erfahrungsberichte über Haarausfall nach Narkosen, aber kaum verständliche Erklärungen für das „Warum“ und „Wie“. So entstand der Aberglaube, die Anästhetika selbst seien schuld; was medizinisch schlichtweg nicht stimmt.
 
Es ist wissenschaftlich belegt, dass starker physischer und psychischer Stress bei entsprechender Veranlagung Haarausfall auslösen kann. Eine Vollnarkose bei einem operativen Eingriff versetzt den gesamten Organismus in einen vorübergehenden physiologischen Schockzustand. Genau dieser Stress - verursacht durch die zugrunde liegende Erkrankung, den Eingriff selbst und den anschließenden Heilungsprozess - bringt das Haarwachstum vorübergehend zum Stoppen, nicht die schlaffördernden Narkotika.
 
In der Medizin werden hierfür mehrere konkrete Auslöser unterschieden:
 

1. Diffuser Haarausfall

Die Haarwurzeln gehören zu den Zellbereichen im menschlichen Körper mit der höchsten Teilungsrate. Massiver Stress für das System - wie eine große Operation unter Vollnarkose - führt zu einer schlagartigen Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol. Dieser Schock bewirkt, dass ein hoher Prozentsatz der Haarwurzeln die aktive Wachstumsphase (Anagenphase) vorzeitig abbricht und abrupt in die Ruhephase (Telogenphase) übergeht.
 

2. Nährstoffverschiebung im Organismus

Ein großer chirurgischer Eingriff bedeutet für den Körper Höchstleistung. Während der Regeneration leitet dein Organismus essenzielle Nährstoffe, Proteine und die Durchblutung gezielt dorthin, wo sie primär benötigt werden: zur Wundheilung und zur Versorgung der lebenswichtigen Organe. Da das Haarwachstum für das reine Überleben nebensächlich ist, werden die Haarfollikel temporär unterversorgt. Das Haar dünnt in der Folge spürbar aus.
 

3. Druckbedingter Haarausfall

Bei längeren Operationen kommt ein rein mechanischer Faktor hinzu: das stundenlange, reglose Liegen. Dauert ein Eingriff mehrere Stunden (oft drei Stunden oder länger), verbleibt der Kopf unverändert auf dem Operation-Tisch. Der anhaltende Druck auf dieselbe Stelle reduziert die Mikrozirkulation der Kopfhaut an diesem Punkt massiv, was zu einer kleineren, lokal begrenzten kahlen Stelle führen kann.
 

4. Medikamente nach der Operation und der Genesungsverlauf

Auch die Nachsorge spielt eine wesentliche Rolle: Verschreibungspflichtige Medikamente im Anschluss an die Operation (wie hochdosierte Schmerzmittel, Antibiotika oder Antikoagulanzien), kombiniert mit leichtem Blutverlust oder Ernährungsumstellungen nach dem Eingriff, können den natürlichen Haarzyklus zusätzlich aus dem Takt bringen.
 

Das Wichtigste auf einen Blick

• Erstens: Dies betrifft in der Regel nur umfassende oder lang andauernde Operationen unter Vollnarkose und keineswegs eine örtliche Betäubung beim Zahnarzt oder einen kurzen Dämmerschlaf bei ambulanten Eingriffen.
 
• Zweitens: Bedenke den zeitlichen Versatz. Da Haare in der Telogenphase Wochen bis Monate benötigen, um sich vollständig von der Haarwurzel zu lösen und auszufallen, bemerkst du den Haarausfall meist erst 2 bis 4 Monate nach dem Eingriff. Also lange nachdem du aus dem Krankenhaus entlassen wurdest.
 
• Drittens, die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen ist dieser Haarausfall reversibel. Sobald sich dein Körper von den physischen Strapazen erholt hat, wechseln die Haarfollikel wieder in die Anagenphase. Innerhalb der folgenden 6 bis 12 Monate gewinnt dein Haar in der Regel seine ursprüngliche Dichte zurück.
 
Diese Antwort dient nur zu Informationszwecken. Für medizinischen Rat oder eine Diagnose wende dich bitte an einen Arzt.
 
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Siehe auch: Noch mehr Fragen zu Haarausfall