Operationen und Haarfarben

Haar, das orange aussieht
Bild: Amir Kaljikovic/Shutterstock
F: Ich hatte vor etwa drei Wochen eine Operation und bin extrem überfällig mit meiner gewohnten Haarfarbe und meinen Strähnchen. Eine Freundin meinte, sie habe gehört, dass eine Vollnarkose kurz vor dem Färben die Farbe irgendwie orange werden lässt oder unerwartete Farbergebnisse liefert. Ist da was dran oder ist das nur so ein Beauty-Mythos, der herumerzählt wird?
 
A: Das ist eine spannende Frage, die zeigt, wie stark unser Körper auf medizinische Eingriffe reagiert und wie sich das auf das Haar auswirkt. Die Behauptung, dass eine Narkose direkt für einen Orangestich sorgt, ist zwar ein Mythos. Aber es gibt ein paar ganz praktische Gründe, warum dein Haar nach einer Operation etwas mehr Aufmerksamkeit braucht.
 
Dass Narkosemittel die Haarfarbe direkt verändern, stimmt nicht. Anästhetika wie Propofol, Sevofluran oder Isofluran werden vom Körper innerhalb weniger Stunden nach der Operation vollständig abgebaut. Drei Wochen später sind diese Medikamente komplett aus deinem System verschwunden und reagieren nicht mehr mit den chemischen Inhaltsstoffen der Haarfarbe.
 
Trotzdem hat deine Freundin nicht ganz unrecht, wenn sie zur Vorsicht rät; auch wenn der Grund nicht die Narkose selbst ist. Eine Operation bedeutet enormen körperlichen Stress, und der kann sich auf verschiedene Weise auf deine Haare auswirken:
 
• Mineralien- und Antiseptika-Ablagerungen: Je nach Pflegeroutine während der Genesung oder durch den Krankenhausaufenthalt können sich mikroskopisch kleine Mineralien (wie Kupfer oder Eisen aus dem Wasser) oder Reste von Desinfektionsmitteln auf der Haarstruktur ablagern. Wenn diese Metallionen mit dem Wasserstoffperoxid in der Haarfarbe oder Blondierung reagieren, kann das eine unkontrollierte chemische Reaktion auslösen. Das führt manchmal zu unerwartet warmen, stichigen oder orangen Farbtönen.
 
• Bevorstehender Haarausfall: Starker körperlicher Stress kann die Haarfollikel schockartig in die Ruhephase versetzen. Man spricht hier von einem Telogenen Effluvium. Dieser sichtbare Haarausfall beginnt meist erst zwei bis drei Monate nach der Operation, aber die Follikel stellen sich schon jetzt darauf ein. Chemische Behandlungen sind zwar nicht die Ursache dafür, aber es kann dich verunsichern, wenn die Haare Wochen nach dem Färben plötzlich verstärkt ausfallen.
 
• Einfluss auf den Ansatz: Hormonschwankungen, Operation-Stress und Medikamente können die Talgproduktion der Kopfhaut verändern und die Struktur der Haare beeinflussen, die am Ansatz neu nachwachsen. Allerdings können Stress und Medikamente nicht nachträglich die Porosität oder Struktur der Längen und Spitzen verändern, die bereits herausgewachsen sind.
 
• Körperliche Belastung beim Styling: Langes Stillhalten im Friseurstuhl oder das Zurücklehnen am Waschbecken können einen Körper, der noch in der Heilungsphase steckt, unerwartet belasten; je nachdem, wo deine Operationsnaht liegt.
 
Aus diesen Gründen sprichst du am besten ganz offen mit deiner Friseurin oder deinem Friseur. Sag im Salon einfach Bescheid, dass du vor Kurzem eine Operation hattest und wie du dich aktuell fühlst.
 
Ein erfahrener Kolorist empfiehlt vielleicht zuerst ein Tiefenreinigungsshampoo um Oberflächenablagerungen zu entfernen. Zudem kann eine schonendere Rezeptur gewählt oder vorab eine Teststrähne gefärbt werden.
 
Wichtig ist auch, dass du dich während des gesamten Termins körperlich wohlfühlst. Drei Wochen sind mehr als genug Zeit, damit die Narkosemittel den Körper verlassen. Solange du dich fit fühlst und im Salon Bescheid gibst, steht deiner Farbbehandlung nichts im Weg!
 
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Siehe auch: Noch mehr Fragen zu Haar Färben