Kinderhaar im Wandel

Kleine Mädchen mit lockigem Haar
Bild: Morrowlight/Shutterstock
F: Meine Enkelin verliert langsam ihre natürlichen Locken. Sie ist fünf. Ist das überhaupt möglich? An den Spitzen kringelt es sich noch, aber oben am Ansatz ist es eher wellig.
 
A: Ja, das ist absolut möglich und kommt extrem häufig vor.
 
Wenn Kinder wachsen, entwickelt sich ihr Körper nach einem ganz eigenen genetischen Bauplan, und das Haar macht da keine Ausnahme. Ein Kind, das mit zwei Jahren noch ganz feines, flauschiges Haar hat, kann mit fünf oder sechs schon eine richtig dichte, kräftige Mähne haben. Genauso kann sich auch das Lockenbild im Laufe der frühen Kindheit nach und nach verändern.
 

Haarfollikel & Haarstruktur im Wandel

Dass die Locken im Kindergarten- und Grundschulalter etwas aushängen oder loser werden, sieht man wirklich oft. Die Haarfollikel (also die winzigen Strukturen unter der Kopfhaut, die wie eine Gussform für jedes einzelne Haar funktionieren) reifen weiter und verändern ihre Form, während das Kind wächst. Symmetrische, runde Follikel bringen glattes Haar hervor, während asymmetrische, flache oder ovale Follikel Wellen und Locken erzeugen. Bei deiner Enkelin verändern die Follikel im Wachstum gerade tatsächlich ihre Form.
 
Dazu kommt: Babys kommen mit feinem Flaumhaar auf die Welt, das nach und nach durch echtes Terminalhaar ersetzt wird. Wachsen diese reifen Terminalhaare nach, haben sie meist einen deutlich dickeren Durchmesser. Wenn ein Haar kräftiger wird, verwandelt sich eine enge Korkenzieherlocke manchmal in eine sanfte Naturwelle, weil das Einzelhaar an Eigenstabilität gewinnt.
 
Auch die Haarlänge und das Eigengewicht spielen eine große Rolle. Kurze Locken haben von Natur aus eine enorme Sprungkraft und ziehen sich schnell nach oben. Je länger das Haar wird, desto stärker zieht die Schwerkraft an den Strähnen. Dieses zusätzliche Gewicht zieht die Locke lang, sodass das Haar am Ansatz flacher oder welliger wirkt, während die leichteren, älteren Längen und Spitzen ihre ursprüngliche, enge Lockung behalten.
 
Die Veränderung der Haarstruktur beim Heranwachsen
 

Der Mythos rund um den Haarschnitt

Ein Beispiel dazu: Meine Cousine hatte als Baby und Kleinkind den ganzen Kopf voller seidiger Locken. Meine Oma riet meiner Tante damals, das Haar immer schön nachzuschneiden. Besonders die längeren, glatteren Strähnen, die langsam nachwuchsen. Sie war felsenfest davon überzeugt, dass das Kappen der glatten Haare die Locken retten würde.
 
Natürlich funktioniert Haar so nicht. Ein Haarschnitt verändert nur den bereits herausgewachsenen Haarstrahl oberhalb der Kopfhaut. Er hat keinerlei Einfluss auf die biologische Form der Follikel darunter. Als meine Cousine älter wurde, veränderte sich ihre Follikelform, die Haare wurden dicker und das zusätzliche Gewicht zog die Locken aus. Als sie in die erste Klasse kam, war das Haar eher wellig als lockig. Heute als Erwachsene hat sie wunderschönes, weich fallendes, welliges Haar.
 

Was gerade mit dem Haar deiner Enkelin passiert

Das Haar deiner Enkelin macht höchstwahrscheinlich genau diesen natürlichen Wandel durch. Die Locken in den Spitzen sind sehr wahrscheinlich noch das ältere Haar aus der Zeit, als ihre Follikel kleiner und anders geformt waren. Das neu nachwachsende Haar am Ansatz spiegelt dagegen die reifende Haarstruktur und das zusätzliche Gewicht wider, das das Haar nach unten zieht.
 
Kinderhaar verändert sich oft während der gesamten Kindheit bis hinein in die Pubertät. Große biologische Schübe - besonders der Hormonschub in der Pubertät - können die Follikelform und die Talgproduktion der Kopfhaut noch einmal komplett umkrempeln. Das kann aus glattem Haar manchmal Locken machen oder umgekehrt. Man kann zwar nicht exakt vorhersagen, wie ihr Haar als Erwachsene aussehen wird, aber was du jetzt siehst, ist ein völlig normaler und spannender Teil des Heranwachsens.
 
©Hairfinder.com
 
Siehe auch: Noch mehr Fragen zu lockigem Haar